Pressemitteilung

Arbeitnehmerüberlassung geht auch fair - Jobmodell bei John Deere in Mannheim und Bruchsal

Torsten Jann, Betriebsratsvorsitzender bei John Deere
Torsten Jann, Betriebsratsvorsitzender bei John Deere

 

Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung – verschiedene Namen für eine Beschäftigungsform, die in der Kritik steht, weil sie oft mit prekären Verhältnissen einhergeht. Dass es aber auch anders geht, zeigt das Jobpool-Modell in den John Deere Werken in Mannheim und Bruchsal. Seit 2006 dient hier Arbeitnehmerüberlassung als tarifvertraglich abgesicherte Brücke, in den Arbeitsmarkt. 

 

John Deere damals

Jobpool-Projektleiter Arno Schumacher, kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. Übliche Praxis bei John Deere in Mannheim war früher, dass neu eingestellte Mitarbeiter, zunächst einen befristeten Vertrag erhielten. Lief dieser nach maximal 2 Jahren aus, musste der Mitarbeiter, unabhängig von seiner persönlichen Leistung, gehen. Der nächste Mitarbeiter kam und wurde wieder aufwendig eingearbeitet. Trotz Unverständnis und Unruhe in der Belegschaft, hielt die Geschäftsführung lange an diesem Modell fest. Grund waren hohe Auftragsschwankungen in der Branche und die damit verbundene Sorge vor Festeinstellungen. Die handelnden Akteure suchten nach Alternativen,  die so wenig Unterschiede wie möglich zwischen Stamm- und Jobpoolbeschäftigten beinhalteten, dem Unternehmen aber trotzdem Flexibilität bieten konnten. Anfang 2006, wurde deshalb die „Jobpool GmbH“ gegründet.

 

Das JOBPOOL Modell

Das Modell Jobpool funktioniert so, dass Mitarbeiter, deren Befristung ausläuft, ein Angebot für eine unbefristete Anstellung bei „Jobpool“ erhalten. Von dort werden sie an John Deere ausgeliehen. Über einen Firmentarifvertrag gelten für die Jobpool-Beschäftigten sämtliche Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie, Nordwürttemberg-Nordbaden. Parallel sichert eine Betriebsvereinbarung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, die Zeitarbeitnehmer, zusätzlich ab. So bekommen sie ab dem ersten Tag den gleichen Lohn wie die Stammbeschäftigten, ebenso Zulagen, Prämien,  Lohnerhöhungen und auch die gleiche Gewinnbeteiligung. Auch der Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen, Kleidung, Sicherheitsausrüstung und Kantinenessen ist geregelt. Die Jobpool-Beschäftigten sind damit weitgehend den Stammbeschäftigten gleichgestellt. Über die Regelung, dass offene Stellen bei John Deere vorrangig von Jobpool zu besetzen sind, haben die Jobpool-Beschäftigte eine reale Perspektive auf eine Festanstellung.

 

John Deere 2019

Im April diesen Jahres wurden in der Traktorenproduktion von John Deere, wieder rund 40 Jobpool-Mitarbeiter in Mannheim, fest übernommen. Der Betriebsratsvorsitzende Torsten Jann John Deere Mannheim fasst die Situation wie folgt zusammen: „Wir brauchten eine Lösung. Da wir die Problemlage nicht dauerhaft alleine auf dem Rücken der immer wieder ausgewechselten befristeten Beschäftigen austragen lassen wollten, haben wir uns entschieden, dieses Arbeitnehmerüberlassungsmodell zu entwickeln.  Ziel war hier EQUAL PAY und EQUAL TREAT, und dies haben wir weitestgehend erreicht. Leiharbeit war nie unser Ziel, unsere Lösung stellt aber einen vertretbaren Rahmen dar. Der IG Metall und dem Betriebsrat ist es mit dem Modell gelungen, prekäre Beschäftigung und Lohndrückerei zu vermeiden, eingearbeitete Arbeitnehmer zu halten und den Jobpool-Beschäftigten mittelfristig Perspektiven aus der Arbeitnehmerüberlassung zu eröffnen“, so der Betriebsratschef.

 

Erfolgsgeschichte von JOHN DEERE

Jobpool-Projektleiter, Arno Schumacher sieht hier ein gelungenes Beispiel für die funktionierende Sozialpartnerschaft in der Region. „Personalleitung, Betriebsrat und IG Metall haben auf Augenhöhe und mit sozialer Kompetenz ein Modell für die Branche geschaffen, das man als Erfolgsgeschichte bezeichnen kann. Insgesamt wurden bis heute etwa 450 Beschäftigte in Festanstellung übernommen.“

 

Arno Schumacher, Projektleiter Jobpool Mannheim
Arno Schumacher, Projektleiter Jobpool Mannheim

Erwähnenswert ist die hohe Solidarität der Beschäftigten. Bei den beiden großen Krisen, 2009 und 2013, als sich die Auftragslage verschlechterte, wurde bei der gesamten Belegschaft die Arbeitszeit reduziert. Durch diesen solidarischen Akt wurde die Beschäftigung der Jobpool-Arbeitnehmer gesichert. Ein in der Bundesrepublik vermutlich einmaliger Vorgang. 

 

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